E-paper - 09. Oktober 2020
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Von wegen nur eines

Möbeldesign hat oft eine Geschichte zu erzählen. Ob von der Nachhaltigkeit der Produktion, von der Materialqualität oder davon, was das Möbelstück noch sein kann. Denn ein Sofa kann auch ein Regal sein.

Ein Sofa muss mehr als ein Sofa sein. Und ein Stuhl mehr als ein Stuhl. Das ist das Motto der Möbeldesigner. Die Trends im Überblick:

1. Von wegen nur ein Sofa: Die neue schicke Multifunktionalität

Der teure Wohnraum ist für viele ein Problem: Die Wohnfläche wird tendenziell kleiner und das Bedürfnis nach multifunktionalen Möbeln größer. Selbst die großen und stylishen Einrichter gehen dem nach – und ihre Möbel sind nicht funktional, sondern auch schick.

Ein Beispiel ist das neue Sofasystem von Rolf Benz namens Liv. Seine Rückwand und die Armlehnen können ein offenes, schlankes Regal für Bücher und Deko sein. Und der Stuhl Cila Go von Arper bietet in einer Ausführung nicht nur Stauraum im Fußraum, er ist dank eines schwenkbaren kleinen Tischs ein ganzes kleines Büro.

„Multifunktionelle Stücke sind auch solche Möbel, die sich schnell in anderen Räumen nutzen lassen – etwa wenn Besuch kommt“, erläutert Frank A. Reinhardt, Trendanalyst der Koelnmesse.

Besonderer Fokus der Designer scheint auf dem Hocker zu liegen – manchmal wie etwa bei Artifort mit Schleife zum Herumtragen. Mitunter verschwinden die Möbel ganz: Floating Office zieht einen Schreibtisch per Knopfdruck hoch, wenn man ihn nicht mehr braucht. Er hängt an Seilen an der Decke. Und Naber zeigt eine Armatur, die sich um 90 Grad abkippen und ins Spülbecken versenken lässt. Darüber kommt ein Holzbrett, und schon wird die Spüle als Arbeitsfläche nutzbar.

2. Von wegen eintönig: Der neue Fokus auf eine Farbfamilie

Die Zeiten der harten, knallbunten Farbkontraste sind vorbei. „Davon auszugehen, die Messe ist bunt, ist falsch“, erklärt der Trendanalyst Frank A. Reinhardt. Vielmehr werden Ton-in-Ton-Kombinationen aus einer Farbfamilie genutzt. So trifft häufig das sanftgraue Sofa auf dunkelgraue Sessel, kombiniert mit noch mal andersgrauen Kissen. Langweilig? Keineswegs – die leichte Nuancenveränderung bringt Spannung in die Optik.

Vornehmlich werden erdige Brauntöne wie Ocker und Beige verwendet. Aber es geht auch farbiger: Sonnengelbe Kissen auf einem minimal abschattierten gelben Sofa, Rostrot findet sich bei Korallenrot und zartes Blau angelehnt an Royalblau.

3. Von wegen nur ein Leben: Dauerhafte Materialien

„Im Möbelbereich geht es nicht mehr darum, wie hochwertig ein Möbel ist, sondern wie langlebig“, sagte der Designer Luca Nicetto bei der Präsentation seines neuen Sofas für Rolf Benz. Denn auch diese Nachhaltigkeit ist ein Schritt zu mehr Umweltschutz, das ebenfalls ganz große Thema der Möbelbranche.

Zwar hat das eine – die Hochwertigkeit – Auswirkung auf das andere – die Langlebigkeit, weshalb viele Firmen verstärkt die Qualität ihrer Möbel betonen. Es geht aber auch darum, Materialien einzusetzen, die zum Beispiel ein langes Leben dank Recycling erwartet. Ein Beispiel dafür ist eine neue Matratze der Euro Comfort Group, die aus dem Material alter PET-Flaschen gefertigt wird.

4. Von wegen nur Holz: Natur kommt sinnbildlich in den Raum

Holzmöbel sind hoch im Kurs: Hartmann zum Beispiel lässt die Rinde am Holz für das Regal dran. Und bald schon soll jeder Kunde, der ein Produkt kauft, GPS-Koordinaten von dem Ort erhalten, wo der Ersatzbaum für das verwendete Material gepflanzt wurde.

Ebenfalls Rinde und Moos verarbeitet die Freund GmbH zu Leuchten, Tonon hat mit Flower Design von Martin Ballendat einen Stuhl in Blütenform im Programm. Und auch sonst ist florales Muster hoch im Kurs, berichtet Trendanalyst Frank A. Reinhardt.

5. Von wegen nur fürs

Wohnzimmer: Einrichter

gestalten Balkone

Auf den Balkonen finden sich immer hochwertigere und schickere Möbel wieder. Eine Vielzahl an Einrichtern der klassischen Wohnräume im Haus hat angefangen, auch noch Gartenmöbel zu produzieren. Viele Indoorlabel machen das, um ein komplettes Programm anbieten zu können, erklärt Christoph Kahleyss. So können Stammkunden einer Linie treu bleiben – drinnen wie draußen. Kahleyss ist Designer für das Label Firma Freifrau – deren eigentlich fürs Haus gedachte Schaukel gibt es jetzt auch fürs Aufhängen unter dem großen Baum im Garten. dpa/tmn

Verlagsbeilage NK vom Freitag, 9. Oktober 2020, Seite 32 (7 Views)

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